Voller Teller, leere Höfe? Warum Agrarpolitik endlich fair werden muss! 100 Euro für Essen – nur 4 Euro für unsere Bauern – SPÖ fordert mehr Fairness & Transparenz

An der Bundeskonferenz der SPÖ Bäuerinnen und Bauern im burgenländischen Neudörfl nahmen auch Vertreter:innen aus dem Bezirk Rohrbach teil. Mit dabei waren SPÖ‑Bezirksbauernvorsitzender Gerald Beismann, Vollerwerbslandwirt, Bio‑Puten‑ und Straußenfleischproduzent sowie engagierter Direktvermarkter auf regionalen Märkten, und Stadträtin sowie Vorsitzende der SPÖ Rohrbach‑Berg, Daniela Haudum, BIO-Nebenerwerbsbäuerin. Beide brachten die wachsende Unzufriedenheit vieler bäuerlicher Betriebe mit der aktuellen Agrarpolitik zur Sprache – insbesondere mit Blick auf mangelnde Transparenz und strukturelle Benachteiligungen entlang der Wertschöpfungskette.
Deutlich wurde dies anhand der Wertschöpfungsberechnung für Österreich im Jahr 2021: Von 100 Euro Haushaltsausgaben für Nahrung und Getränke entfallen rund 61 Prozent auf den Lebensmitteleinkauf und 39 Prozent auf Restaurant- und Gastronomieausgaben. Bei den Produzent:innen, also bei unseren Bäuerinnen und Bauern, kommen davon jedoch nur rund 4 Euro an. Dieses Missverhältnis zeigt klar, dass jene, die täglich Verantwortung für Boden, Tiere und Lebensmittel übernehmen, den geringsten Anteil an der Wertschöpfung erhalten.
Um die Wertschöpfung langfristig zu sichern, braucht es Maßnahmen auf mehreren Ebenen.
Auf Betriebsebene heißt das: Flächenverluste stoppen und den Hof so ausrichten, dass er zu den eigenen Zielen, den regionalen Bedingungen und den Stärken passt. Gleichzeitig bieten Kooperationen großes Potenzial. Wenn Betriebe z. B. Verarbeitung, Logistik oder Vermarktung gemeinsam organisieren, können sie Aufgaben auslagern und behalten trotzdem die Kontrolle. Dieses „Outsourcing unter eigener Kontrolle“ wirkt der Konzentration in anderen Branchen entgegen und bringt Vorteile durch größere gemeinsame Strukturen.
Auf agrarpolitischer Ebene braucht es endlich mehr Transparenz, um Informationsvorteile mächtiger Marktakteure abzubauen. Dazu zählt eine klare und verpflichtende Herkunftskennzeichnung ebenso wie die Stärkung von Erzeugerkooperationen, um die Verhandlungsmacht der Bäuerinnen und Bauern zu erhöhen. Unfaire Handelspraktiken müssen konsequent geächtet und Marktmacht an allen Enden der Wertschöpfungskette begrenzt werden.
Im Rahmen der Bundeskonferenz wurde Michael Schwarzlmüller mit 100 Prozent erneut zum Bundesvorsitzenden der SPÖ Bäuerinnen und Bauern gewählt. Unter dem Konferenzmotto „Wir sichern deinen vollen Teller!“ betonte Schwarzlmüller, dass die Zukunft der heimischen Landwirtschaft bei kleinen und mittleren Betrieben liegt – und nicht bei Agrarkonzernen. Ein voller Teller sei nur dann gesichert, wenn auch die bäuerlichen Familien von ihrer Arbeit leben können. Diese Haltung teilen auch die Vertreter:innen aus dem Bezirk Rohrbach: Eine starke, regionale und faire Landwirtschaft ist zentral für Versorgungssicherheit, nachhaltige Entwicklung und soziale Gerechtigkeit.